Glaube und Kirche
KiGo 10-14 - eine Nachbetrachtung Montag, 19.05.2008
Zum Thema "KiGo 10-14" stellte sich Bezirksevangelist Hans-Jürgen Mochalski einigen ergänzenden Fragen - unter Anderem nach der Akzeptanz und dem eventuellen Modellcharakter für die regulären Gottesdienste. Das schriftlich geführte Kurzinterview geben wir hier gern wieder:
Lieber Bezirksevangelist, „KiGo 10-14“, dies häufig benutzte Schlagwort, klingt ja für einen Außenstehenden mehr nach einem koreanischen James-Bond-Gegenspieler, als nach einer kirchlichen Veranstaltung.
Was genau muss man sich unter diesem Begriff vorstellen?
Hinter der griffigen aber dennoch etwas seltsam anmutenden Bezeichnung "KiGo 10-14" verbirgt sich "Kindergottesdienst für unsere 10 - bis 14 - Jährigen Kinder", also ein Gottesdienst für die Kinder, die der Sonntagsschule entwachsen sind und bereits den Religions- oder Konfirmandenunterricht besuchen.
Wie ist die Resonanz von Kindern und Eltern? Wird der zentrale Kindergottesdienst durchweg positiv aufgenommen, oder gibt es auch ablehnende Stimmen zu dieser Neuerung - und wenn ja, welche Gründe werden hierfür genannt?
Nach meiner Einschätzung und nach Aussage der Lehrerinnen und Lehrer kommen die Kinder gerne in dem größeren Kreis zusammen. Die Eltern haben weitestgehend eine positive Haltung zum KiGo 10-14, auch wenn sie zur Mithilfe gebeten werden, denn die Kinder müssen zum KiGo gefahren und nach dem Religions- oder Konfirmandenunterricht, der sich dem KiGo anschließt, wieder abgeholt werden. Das können die Lehrkräfte alleine nicht immer leisten.
Was sind die wesentlichen Neuerungen im Vergleich zu der sonst stattfindenden Sonntagsschule?
Die Sonntagsschule der alten Prägung besuchten alle Kinder im Alter von sechs bis vierzehn Jahren. Jedes Kind in dieser Altersspanne durch entsprechend methodisch und inhaltlich vorbereitete Stunden anzusprechen und zu erreichen war eine nur schwer zu lösende Aufgabe für die Sonntagsschullehrkraft.
Seit einigen Jahren gibt es ein von Pädagogen erarbeitetes Lehrwerk für die Sonntagsschule, das dem Unterricht der sechs- bis zehnjährigen Kinder zugrunde liegt. Kinder ab zehn Jahre besuchen dann nicht mehr die Sonntagsschule, sondern drei Jahre den Religionsunterricht und anschließend ein Jahr den Konfirmandenunterricht. Da die Sonntagsschule parallel zum Gottesdienst am Sonntagvormittag gehalten wird, verlassen die Kinder mit Beginn des Schuljahres, in dem sie in den Religionsunterricht kommen, die Sonntagsschule und nehmen ihren Platz im Gottesdienst ein. Der "normale" Gottesdienst wendet sich an Erwachsene und ist manchmal für die genannte Altersgruppe der Kinder schwer verständlich. Dennoch sollen die Kinder an die Gottesdienstsituation herangeführt werden. Dies genau geschieht im KiGo 10-14, der also ein Gottesdienst ist, in dem die Predigtbeiträge dem altersgemäßen Verständnis der Kinder entsprechen sollten.
Die Kinder wirken ja teilweise recht intensiv bei der Vorbereitung der Kindergottesdienste mit. Ist es da nicht ein bisschen schade, wenn sie nach der Konfirmation wieder passivere Gottesdienste erleben müssen?
Der KiGo 10-14 wird abwechselnd von den Kindern des gesamten Bezirkes mitgestaltet. Dazu gehört die Herrichtung des Altars (Abendmahlsgeräte, Blumenschmuck, Bibel...), der Ordnungsdienst in der Kirche (Lüften, Gesangbücher auslegen, Opferkästen anbringen und Verbuchen des Opfers nach dem Gottesdienst...) und die Mitgestaltung der Liturgie durch Chorgesang, Instrumentalbeiträge und Lesungen. Gewisse Variationen in der Gottesdienstgestaltung sind möglich und auch gewollt. Dadurch wird der Gottesdienst nicht passiv "konsumiert", sondern aktiv begleitet und auf eine andere Bedeutungsebene gehoben. Nach der Konfirmation finden die Kinder ihren Platz, wie zuvor schon an den Sonntagen, an denen kein KiGo stattfand, in der Heimatgemeinde. In jeder Gemeinde gibt es Möglichkeiten, sich einzubringen und mitzuhelfen. Sebstverständlich wird das gewünscht und ist auch notwendig und für eine lebendige und funktionierende Gemeinde unerlässlich. Nur ist es auch wichtig, junge Brüder und Schwestern in die Gemeindeaufgaben hineinzuführen, ihnen einen "Platz" in der Gemeinde zu geben und sie in der Ausführung der Aufgaben zu unterstützen.
Können wir „Großen“ von der doch recht modernen Form des Kindergottesdienstes etwas lernen? Wäre es möglich, bestimmte Elemente auf die Gemeindegottesdienste zu übertragen?
Der liturgische Ablauf der Gottesdienste scheint festzuliegen. Jahrzehntelange Gewohnheiten abzulegen fällt schwer, wenngleich mehr Abwechslung, etwa durch eine breitere Palette musikalischer Beiträge (Orgelstück, Chorvortrag, Instrumentalstück, Sologesang mit Orgelbegleitung...), und ein häufigerer Wechsel von Predigt- und Musikbeiträgen erwünscht und empfohlen wird.
Herzlichen Dank für den Gedankenaustausch!
Hans-Jürgen Mochalski / Andreas Hebestreit
