Glaube und Kirche
Fremde beherbergen – ein Werk der BarmherzigkeitDienstag, 05.05.2009
Der Europäische Jugendtag der Neuapostolischen Kirche rückt näher – und damit auch die Anreise vieler Jugendlicher und Begleitpersonen aus der Ferne. Übernachtung und Verpflegung für dieses Mehrtagesereignis soll sichergestellt sein. „Beherbergung“ also, eine dem Nächsten zugewandte Aufmerksamkeit, die von alters her einen besonderen Liebesdienst darstellt und seinen besonderen Platz auch in der Heiligen Schrift hat.
„Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen“ sagt Jesus in seinen markanten Worten vom Weltgericht (Matthäus 25, aus 35) und unterstreicht damit die Bedeutung auch dieses Werks der Barmherzigkeit.
„Xénos“ heißt der Fremde im griechischen Text der Septuaginta. Aber nicht nur das – „xènos“ bedeutet auch: „feindlich“. Und nimmt dem Kontext somit jede Leichtigkeit. Das Beherbergen von Freunden oder solchen, die uns gut gesonnen sind, vielleicht sogar Gastgeschenke mitbringen oder für die Beherbergung zahlen – das ist einfach. Jesus stellt wie so oft unbequeme Ansprüche. Solche, die nicht mit links zu bewältigen sind, sondern den Christ in seinem Handeln fordern und herausfordern, ihn in ein Spannungsfeld stellen, das nicht mit politischem Denken und Handeln aufgelöst werden kann nach dem Motto: Asyl für die Guten, Abschiebung für die Anderen.
Wie Gastfreundschaft aussehen kann, beschreibt bereits das 1. Buch Mose im 18. Kapitel. Es lohnt sich, die Beschreibungen intensiv zu lesen und sich die Begebenheit plastisch vor Augen zu halten. Dann fällt zum Beispiel auf, dass Abraham bereits hoch betagt war, als er Besuch von den drei Fremden erhielt (vgl. Vers 11). Dann fällt etwa auf, dass der Besuch zu einer Zeit kam, in der es besondere Mühe bereitet, sich um ihn zu sorgen: Es war die heißeste Zeit am Tag. Und es fällt auf, dass der Besuch nicht „mal eben“ mit einem Bissen Brot oder Wasser abgespeist wurde: Sara sollte einen Kuchen backen, ein Knecht ein gutes Kalb schlachten und es zubereiten (vgl. Verse 6 und 7).
Kein leichtes Werk also, nimmt man es mit der Beherbergung so genau, wie es die Heilige Schrift vorzeichnet. Kein leichtes Werk auch deswegen, weil wir durch unsere Prägung sehr geneigt sind, Fremde(s) bedrohlich zu empfinden und ein häufig so bezeichnetes „gesundes Misstrauen“ zwischen uns, den Fremden und die eingeforderte Barmherzigkeit schieben.
„Die Fremdlinge sollt ihr nicht unterdrücken: denn ihr wisst um der Fremdlinge Herz, weil ihr auch Fremdlinge im Ägyptenland gewesen seid.“ heißt es im 2. Buch Mose 23, 9. Sich an seinen eigenen Status erinnern, so lautet die Hilfestellung. Und wer sich fragt, wie es denn möglich sein kann, im „eigenen Land“ Fremder zu sein, mag sich der nicht von ungefähr kommenden Worte aus dem Gesangbuch (Nr. 339) erinnern: „Reicht euch die Hände! Die Stunden zerrinnen, wir sind nur Pilger und Fremdlinge hier.“ Ist dort vertextet. „Ich bin ein Gast auf Erden“ (Chormappe Nr. 61) lautet eine andere Fundstelle, die einen ähnlichen Tenor aufweist und letztlich den Gedanken aus Hebräer 13, 14 aufgreift: „Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“ Selbst Gast zu sein und dies zu erkennen öffnet neue Horizonte. Besonders schön trifft es übrigens auch der Gedanke aus Hebräer 13, 2:
„Gastfrei zu sein vergesst nicht: denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt.“
Dies im Nachhinein zu spüren sei allen gewünscht, die sich insbesondere zum Europäischen Jugendtag Mühe machen, um den (noch) unbekannten Gästen aus der Ferne Herberge zu bieten. Diesen sei wiederum gewünscht, dass sie sich aufgenommen fühlen dürfen, als seien sie Gast in der eigenen Familie.
Andreas Hebestreit
