Glaube und Kirche
Bekennermut Montag, 01.06.2009
Wohl fast jedem halbwegs bibelfesten Christen ist sie zumindest im Ansatz bekannt: Die Geschichte von der Heilung des aramäischen Feldhauptmanns Naaman (vgl. 2. Könige 5, 1 ff.), anzusiegeln etwa um die Zeit 850 v. Chr.
Vordergründig eine Geschichte um ein Krankenheilungswunder, geht es doch inhaltlich um wesentlich mehr – um das Durchringen zum Glauben, um das Ausräumen von Missverständnissen, um das Erkennen Gottes im Ungewöhnlichen.
Und es geht um schnell überlesene Details am scheinbaren Rand der Geschichte, die übersehen werden, weil sie nicht wesentlich erscheinen.
Eines dieser Details ist eine Namenlose, die der ganzen Entwicklung der Begebenheit den entscheidenden Impuls gab.
Naaman, dieser stolze und sieggewohnte Heerführer, erfährt von der Möglichkeit der Heilung des ihn quälenden Aussatzes von einer, die ganz unten steht in der Hierarchie der damaligen Zeit. Ein junges israelitisches Mädchen, bei einem Grenzstreit verschleppt und nun der Frau Naamans als Sklavin dienend, gibt den entscheidenden Hinweis: „Ach, dass mein Herr wäre bei dem Propheten in Samaria! Der könnte ihn von seinem Aussatz befreien!“ (2. Könige 5, 3). Naaman ist es ernst um diesen Hinweis. Er wendet sich an seinen König, schildert die Empfehlung und erhält die Erlaubnis, mit einem königlichen Empfehlungsschreiben Kontakt zum israelitischen König aufzunehmen. Danach nimmt die Geschichte ihren – ungewöhnlichen – Verlauf und endet mit der Heilung Naamans, der mehr gewonnen hat als nur seine Gesundheit: Er kehrt in sein Land zurück, bereichert um eine vertrauensvolle Beziehung zu Gott, bereichert um Glauben.
Kehren wir zurück zu der Namenlosen, die, nur in zwei, drei dürren Sätzen erwähnt, Großartiges geleistet hat.
Verschleppt worden war sie. Mit Gewalt herausgerissen aus der gewohnten Umgebung, dem persönlichen Umfeld, den Beziehungen zur Familie und Nahestehenden. Als Sklavin dienend einer fremden Frau. Wahrlich, so möchte man meinen, kein fruchtbarer Boden für nachhaltigen Bekennermut. Menschlich nachvollziehbar wäre es gewesen, hätte sie aus dem Gefühl der Gottverlassenheit heraus frustriert reagiert, ihren Glauben, ihre Werte über Bord geworfen und… geschwiegen. Sie handelte anders und wird, auch wenn die Heilige Schrift nicht weiter davon berichtet, nach der Rückkehr Naamans sicher einen anderen Stand gewonnen haben.
Die Begebenheit, auf das junge Mädchen fokussiert, zeigt zweierlei: Bekennermut bringt Früchte. Und: Man muss nicht namentlich bekannt sein, um große Bedeutung – auch vor Gott – zu gewinnen. Etwas in Bewegung zu bringen, richtungsändernde Impulse zu geben, hängt, so lehrt es uns diese alte Begebenheit, nicht von Rang und Namen ab. Entscheidend ist, dass man sein Licht, auch wenn es klein sein mag, leuchten lässt. In diesem Sinne ist das Wort Jesu Christi aus Matthäus 5, 16 („So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“) sicher auch an all die gerichtet, deren Name im Laufe der Zeitgeschichte verblasst, aber bei Gott unvergessen bleibt.
„Denn welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder“ schreibt Paulus den Römern (Römer 8, 14). Bekennermut ist als Frucht dieses Geistes nicht hinwegzudenken – auch nicht in unserem Lebensalltag.
Andreas Hebestreit
